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Bremer Schlüssel
Frachtvermittlungs GmbH


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28199 Bremen

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< Hanse-Schnack, 07/2002
09.08.2002 17:52 Alter: 12 yrs
Kategorie: Unternehmen

Weser Kurier, 9. August 2002


Alle vier Minuten kommt ein Auftrag

Die Frachtvermittlungs GmbH Bremer Schlüssel steigert Umsätze und will den norddeutschen Raum erobern


Bremen. Gerd Meisterjahn sitzt in seinem Gleitschirm, hoch über der Erde, schaut aus atemberaubender Höhe auf Dächer, Wasser, Felder und Wälder. Stille, Freizeit, Erholung. Gedanken schweifen lassen, dahin gleiten. Doch plötzlich klingelt sein Handy. Das Firmen-Handy. Meisterjahn fliegt aus der Thermik heraus, landet. "Bremer Schlüssel Frachtvermittlungs GmbH", meldet er sich und bedient den Kunden.
"Wir sind ein Dienstleistungsunternehmen, da sind wir rund um die Uhr zur Stelle." Rund um die Uhr heißt: montags bis freitags von 6 bis 18 Uhr im Büro an der Julius-Faucher-Straße, ansonsten unter der Notrufnummer, die nach Geschäftsschluss auf dem Anrufbeantworter durchgegeben wird. "Der Kunde ist eben König, und so oft ruft außerhalb der Geschäftszeiten niemand an", sagt Meisterjahn. Drei Mal pro Woche und drei bis vier Mal am Wochenende - im Durchschnitt. "Eigentlich kein Problem."
Das klingt etwas auswendig gelernt, ist aber wohl ernst gemeint. Vor kurzem hat sich der Dispositions-Leiter sogar selbst in einen Transporter gesetzt, um "einige kleine Lieferungen in der Umgebung zu machen". Eine Drei-Stunden-Tour, am Sonnabend, weil er keinen Fahrer finden konnte. "Das ist fast nie der Fall, aber wenn, dann muss man eben reagieren." Meisterjahn - ein echtes Arbeitstier ? Vielleicht. Aber abgerackert sieht er nicht aus. Er scheint gern zu lachen, denn immerhin hat er viele kleine Fältchen um die Augen. Und sonnengebräunt ist er ausserdem.
Sonnengebräunt - das will auch Geschäftsführer Rüdiger Holtz werden - und zwar in seinem Urlaub. "Ich kann den Laden hier besten Gewissens allein lassen. Hier arbeitet jeder gut, da können die mal auf mich verzichten."
Der "Laden" wurde 1995 unter dem Titel "Bremer Schlüssel" gegründet und ist nunmehr zu einem mittelständischen Unternehmen avanciert. 45 Subunternehmer mit 85 Fahrzeugen arbeiten für Holtz und seine 13-köpfige Mannschaft. "Die Fahrer sind voll ausgelastet, aber es ist schwierig, gut ausgebildete Leute zu finden, die fit in Logistik und Versand sind", schildert Holtz.
Die Fahrzeuge haben keinen festen Standort und sind im Land Bremen so verteilt, dass sie innerhalb von zehn Minuten nach telefonischer Bestellung vor Ort bei ihren Kunden sein können, um den Auftrag auszuführen. "Das klassische Speditionsgeschäft funktioniert heutzutage nicht mehr", weiß Holtz. Man müsse sich dem Marktgeschehen anpassen. Das bedeutet: "Kleine Mengen in kürzester zeit von Ort zu Ort transportieren."
"Kurier-Express-Paketdienst" nennt sich das Gante, und Mitgründer Markus Ahlers vergleicht es mit dem "Taxen-Geschäft" oder einem "Makler-Büro". Seit Anfang Mai hat der Bremer Schlüssel eine zweite Niederlassung in Bremerhaven, die unter dem Namen "kurier service in time" firmiert und weitere 50 Fahrzeuge unter ihrer Regie hat. Bremer Schlüssel und "kurier service in time" gehören zusammen, unterscheiden sich lediglich im Transportwesen: Die "Klassiker", wie Holtz sie nennt, vom PKW-Kombi bis zum Großraumtransporter, fahren unter dem "kurier service in time", Fahrzeuge wie die Vier-Meter-Planpritsche oder der Sattelzug reisen unter dem roten Emblem des Bremer Schlüssels.
Holtz und Ahlers wollen den gesamten norddeutschen Raum für Frachttransporte erobern. Deshalb auch die neue Namensgebung. "Die ist neutraler und nicht nur auf Bremen fixiert." Schon jetzt kooperieren die Geschäftsführer verstärkt mit Subunternehmen in Stade, Emden, Oldenburg und Wilhelmshaven. Denn zwischen Elbe, Weser und Ems wollen die Männer ein flächendeckendes Netz schaffen, in dem sie in 30 bis 60 Minuten bei Kunden sind.
"Das sind Orte mit einer schwachen Infrastruktur. Die wollen wir schließen", erklärt Holtz. In der Region des künftigen Tiefwasserhafens, vorzugsweise in Oldenburg oder Wilhelmshaven, könnte mit dem nächsten Aufschwung die nächste Niederlassung entstehen, so Ahlers. "Das ist strategisch gut gelegen."
3500 Kunden zählen mittlerweile zum festen Stamm, Kleinunternehmer und Großkunden, aber vor allem mittelständische Betriebe. "Große Kunden machen oft die Preise kaputt", sagt Holtz. Und was wird von Ort zu Ort gebracht ? "Alkles. Einzelne Sofas, große Waren, Gefahrgut, radioaktive Elemente. Wir sind für alles ausgestattet. Nur Tiere transportieren wir nicht." 38000 Aufträge zählte das Transportunternehmen im vergangenen Jahr und verbuchte ein Umsatzplus von 25 Prozent. Für dieses Jahr erwartet Holtz trotz Konjunkturflaute eine Steigerung von fünf bis zehn Prozent.
In der Hauptsaison - die läuft von Ende August bis Mitte Dezember - kommt alle vier Minuten ein neuer Auftrag, berichtet Ahlers. In dieser Zeit wird stets in voller Besetzung gearbeitet - und seit einiger Zeit auch mit einer "sehr komplexen und ausgefeilten" Sotware. "@ST" steht für Active Solution Team. Die Gruppe feilt täglich neu an der Software und gehört seit Oktober vergangenen Jahres dem Bremer Schlüssel an.
Zwar schaut Meisterjahn immer noch gern auf die Pinnwand, um sich zu vergewissern, wo sich Nummer 42 gerade aufhält, oder wann der Urlaub von Nummer 59 zu Ende ist. "Doch letztlich ist das nur Absicherung. In der Kiste ist alles aufgelistet und gespeichert. Wir können jeden Wagen zu jeder zeit orten", sagt er und klopf auf seinen Computer. Ein leises Lachen.
Hoffentlich vergeht ihm das nicht, wenn er, so wie letztens, das nächste Mal im Kino sitzt, sein Firmen-Handy klingelt und er mit bösen Blicken der umsitzenden Besucher abgestraft wird.
Quelle: Weser Kurier, Freitag, 09. August 2002, Nr. 184